Newsletter vom 03.04.2013

Liebe Treugeberinnen und Treugeber,
zuerst müssen wir uns bei Ihnen Allen für etwas entschuldigen, für dass es eigentlich keine
richtige Entschuldigung gibt. Denn man kann nicht einfach Menschen, die die Idee, hessnatur zu kaufen bereits so lange unterstützen, ohne Informationen im Dunkeln belassen.
Aber es ist einfach so viel passiert. So viel musste überdacht, organisiert und besprochen
werden, dass wir von den Ereignissen überrollt wurden und unserer Pflicht, Sie zu informieren einfach nicht mehr nachkommen konnten. Handelnde Personen, die auch bei hessnatur beschäftigt sind und waren, mussten aus verantwortlichen Ämtern bei hnGeno eG zurücktreten; es gab viel aufzuarbeiten und zu entscheiden. Kurz gesagt, wir waren sehr mit uns selbst beschäftigt, vielleicht ein wenig zuviel. Dafür möchten wir uns in aller Form entschuldigen und Ihnen danken, vor allem dafür, dass so viele von Ihnen weiterhin zu uns und der Idee stehen.
Für ein besseres Verständnis und auch um unterschiedliche Aussagen in den Medien auf eine Linie zu bringen, möchten wir die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre Revue passieren lassen.
Bitte begleiten Sie uns noch einmal auf dieser Reise:
Begonnen hat die Geschichte der hnGeno eG im Jahre 2011, nachdem Ende 2010 bekannt
wurde, dass das Private Equity Unternehmen Carlyle hessnatur kaufen wollte.
Carlyle hatte bereits aus der Insolvenzmasse der Arcandor AG sechs Schwesterfirmen der
hessnatur übernommen. Mitarbeiter, Kunden und unabhängige Institutionen wie Attac wehrten sich mit allen Mitteln gegen den Kauf durch ein Unternehmen, welches in Rüstungsgeschäfte verstrickt ist. Anfang 2011 trafen sich in Frankfurt Menschen aus diesen Gruppen, um Möglichkeiten zu erarbeiten, das Unternehmen hessnatur vor einem Verkauf an militärisch orientierte Private Equity Gesellschaften zu bewahren.
Die Idee der genossenschaftlichen Übernahme war geboren. 22 Gründerinnen und Gründer erarbeiteten die Rahmenbedingungen, um am 17.03.2011 die Genossenschaft hnGeno eG zu gründen.
Dann mussten viele Unterstützer gewonnen und Geld gesammelt werden, um das Ziel,
hessnatur zu kaufen, erreichen zu können. Um für weitere potenzielle Mitglieder das Risiko in die hnGeno eG einzutreten gering zu halten, wurde eine Treuhandlösung beschlossen. Einfach in kurzer Zeit einen Treuhänder zu finden, der nur für Zinsen arbeitet, war fast unmöglich. Über unseren Genossenschaftsverband wurden wir mit der GENO EQUITY eG zusammengebracht, die diese Aufgabe bis heute wahrnimmt und perfekt ausfüllt.
Von April bis Anfang Juni 2011 befanden wir uns dann urplötzlich in einem, offiziell eigentlich gar nicht stattfindenden, Ankaufsprozess von hessnatur. Hieran beteiligten sich große Unternehmen und Private Equity Gesellschaften, um das Unternehmen übernehmen zu können.
Wir mussten also gegen Gesellschaften antreten, die über sehr viel Geld und Erfahrung im
Bereich Unternehmenskauf verfügten, während die hnGeno eG gleichzeitig Mitglieder gewinnen und eine Bankenfinanzierung für ein eigenes Angebot auf die Beine stellen musste. Mit Hilfe der GENO EQUITY eG und dort namentlich mit Hilfe des Vorstands Frau Geisel, die ihr gesamtes Netzwerk aufbot, durch Ihr Engagement als Treugeber, durch weitere Unterstützer und Sympathisanten aber auch durch eine deutsche Großbank waren wir in der Lage, ein hervorragendes Angebot abzugeben, dass uns eigentlich ans Ziel hätte bringen müssen.
Wie Sie der Financial Times entnehmen konnten, hat die hnGeno eG 27,7 Mio Euro für das Unternehmen/Marke hessnatur geboten. Die Höhe des Kaufpreises wurde gemeinsam mit Fachleuten und unter Verwendung anerkannter Methoden ermittelt. Aufgrund der Zeitknappheit wurden diverse offene Fragen während des Bieterverfahrens vom Verkäufer nicht beantwortet, so dass in das Angebot übliche sogenannte Abzugsposten eingearbeitet wurden, die bei positiver Beantwortung auf den Kaufpreis erhöhend gewirkt hätten.
Am 16.06.2011 wurde die hnGeno eG aus dem Verkaufsprozess ausgeschlossen. Die
Information darüber wurde per Presse (Financial Times) an den Vorstand der hnGeno
herangetragen, nicht etwa per Mitteilung von Verkäuferseite.
Und dann kam es am 22.06.2011 überraschend zu einem Aussetzen des gesamten
Verkaufsprozesses von hess Natur. Es hieß, hessnatur solle nun doch nicht verkauft werden.
Gerade durch den Erfolg, dass hessnatur im Rahmen des Bieterverfahrens nun doch nicht
verkauft werden sollte, wurden Sie, liebe Treugeber/Innen, und das Team der hnGeno eG und die sie begleitenden Menschen beflügelt, weiter um das Unternehmen zu kämpfen.
Durch das Zusammenspiel von Veröffentlichungen und Vorträgen durch den ehrenamtlichen Vorstand der hnGeno eG und mit Ihrem Engagement wurde auf der einen Seite weiter Geld für den Kauf eingesammelt und auf der anderen Seite weitere Menschen motiviert, eigeninitiativ
tätig zu werden und uns auf diesem Wege begleitend zur Seite zu stehen. Hier hat sich
besonders die Initiative „Wir sind die Konsumenten“ als Kundenplattform hervorgetan.
Aufgrund der in der Presse geäußerten Verlautbarungen des Verkäufers gegen die hnGeno eG haben wir uns entschlossen, nach einem Partner zu suchen, der unsere Werte anerkennt und diese auch mitträgt.
Mit den uns begleitenden Menschen haben wir mögliche Partner gesucht, Auswahlen getroffen, viele Gespräche geführt. Am Ende wurde von uns die DIH als am besten passender Partner ausgewählt. Mit diesen Bemühungen war der Rest des Jahres 2011 vollständig ausgefüllt. In den intensiven, bis Mai 2012 dauernden Verhandlungen mit der DIH wurden die Ziele der hnGeno eG, wie der Arbeitsplatzerhalt bei hessnatur, die Ausrichtung für eine wahrhaft ökologische und soziale Produktion über die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich der Definition nach der Gemeinwohlmatrix mit der DIH ausgearbeitet und festgeschrieben. Diese Verhandlungsergebnisse waren wesentliche Voraussetzung dafür, dass die DIH als Minderheitsgesellschafter in dem auch finanziell ausverhandelten und notariell abgeschlossenen Vertrag gemeinsam mit uns das Ziel einer 100%igen genossenschaftlichen Lösung in der Zukunft mitträgt.
Da die DIH vertrauensvolle, gute Kontakte zur KQMT, der Verkäuferin von hessnatur, hat,
waren wir guten Mutes, dass – trotz aller Aversionen des Verkäufers gegenüber dem
genossenschaftlichen Modell – eine Einigung über den Kauf von hessnatur auch mit Hilfe dieser Kontakte erzielt werden könnte.
Am 23.05.2012 wurde Detlev Hasselmann (KQMT) über die Kaufabsicht des Konsortiums
hnGeno/DIH durch DIH informiert. Es wurde vereinbart, dass das Konsortium ein
durchfinanziertes Angebot abgeben soll. Für uns mehr als überraschend wurde am 01.06.2012, also nur eine Woche nach unserer erneuten Kontaktaufnahme, in der Presse der Verkauf von hessnatur an die Private Equity Gesellschaft Capvis bekannt gegeben.
Somit war uns der Boden unter den Füßen weggezogen worden.
Dieses Verhalten des Verkäufers ist bis zum heutigen Tage von allen Beteiligten – vom
Vorstand über die DIH, den Banken und unseren Beratern – nicht nachvollziehbar. Dies
insbesondere, weil wir der Überzeugung waren, dass wir gemeinsam mit DIH einen sehr guten Kaufpreis geboten hätten.
Der Schock auch bei der Mitarbeiterschaft und den Kunden von hessnatur war groß. Über 150 Mitarbeiter von hessnatur schrieben in einem Brief an Capvis, dass sie vom Kauf zurücktreten sollen. Kunden und Beschäftigte von hessnatur befürchten unter der Führung eines Finanzinvestors einen Werteausverkauf und die maximale Profitorientierung eines zuvor ökologisch orientierten Unternehmens. Im Internet drohten Kunden mit einem Boykott. Die Entlassung des langjährigen Geschäftsführers Wolf Lüdge am 08.08.2012 ohne Nennung von Gründen führte zu weiteren Zweifeln an der Glaubwürdigkeit öffentlicher Aussagen von Capvis.
Mit Marc Sommer betrat dann auch noch ein im Fall Arcandor und im Verkaufsprozess
hessnatur bekannter Name das Spielfeld.
Da die hnGeno eG ihre Wurzeln in hessnatur begründet, hat sich diese ganze Aufregung und Unsicherheit auch auf die hnGeno eG ausgewirkt. Handelnde Personen der hnGeno konnten dieses Handeln nun nicht mehr mit einer Beschäftigung bei hessnatur vereinbaren.
Der neunköpfige Aufsichtsrat der hnGeno eG wurde verändert. Drei Aufsichtsratsmitglieder, die Mitarbeiter von Hess Natur sind, haben ihre Mandate niedergelegt. Insofern ungebundene Mitglieder sind nachgerückt.
Auch der Vorstand der hnGeno eG musste sich verändern. Bereits im Juni vergangenen Jahres musste sich Frau Christina Pöttner aufgrund einer schweren Erkrankung vom Vorstandsamt suspendieren lassen. Sie ist auf dem Weg der Besserung. Sie wird jedoch der hnGeno als Vorstand nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Aufsichtsrat hat Herrn Thomas Gückel als Vorstand bestellt.
Durch die Übernahme von hessnatur durch Capvis, der Implementierung von Herrn Sommer, aber auch aufgrund der Äußerungen von Ihnen, liebe Treugeber/Innen und Kunden von hessnatur, wurde die hnGeno eG vor eine weitere große Aufgabe gestellt. Der Ruf nach einer Alternative und der genossenschaftlichen Lösung hat uns veranlasst, im September 2012 eine Befragung durchzuführen. Im Ergebnis will die Mehrheit unserer Treugeber den Aufbau eines Alternativunternehmens unterstützen.
Darüber einerseits und über unser Ziel, hessnatur zu kaufen, andererseits haben wir intensiv nachgedacht und uns mit Experten und Mitstreitern beraten. Wir waren dabei hin- und hergerissen zwischen der Umsetzung einer genossenschaftlichen Alternativlösung und dem Umstand, dass damit eventuell Arbeitsplätze bei hessnatur gefährdet werden könnten.
Nach Abwägung aller Fakten, wobei die Tatsache, dass die hnGeno eG auf keinen Fall die
Arbeitsplätze der Menschen bei hessnatur gefährden will, eine besondere Rolle spielte und unter Berücksichtigung vieler weiterer Argumente haben wir letztendlich folgende Entscheidung fürden Weg der hnGeno in die Zukunft getroffen:Das Ziel der Genossenschaft war und ist der Kauf von hessnatur und dessen Ausbau zu einem
genossenschaftlichen geführten Vorzeigeunternehmen, bei dem ein sozial verträgliches,
ökonomisch und ökologisches Wirtschaften, Solidarität, Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit die Basis darstellen soll. Diesen Weg wollen wir mit Ihnen gemeinsam weitergehen.
Wir sind uns sicher, dass es in absehbarer Zukunft wieder die Möglichkeit geben wird,
hessnatur zu erwerben. Entweder wir ergreifen die Initiative indem es uns gelingt , mit dem uns zur Verfügung gestellten Kapital ein nicht abzulehnendes Angebot abzugeben oder der jetzige Eigentümer tritt an uns heran, um doch noch den Verkauf an hnGeno eG durchzuführen.
Die hnGeno eG hat auf Ihrer Generalversammlung im März 2013 beschlossen, den Weg,
hessnatur zu kaufen, weiter zu gehen und als potentieller Käufer dem heutigen Eigentümer baldmöglichst wieder ein Angebot zu unterbreiten.
Für diesen Zweck müssen wir die hnGeno eG zukunftsfähig machen und bauen auf das
Fortdauern Ihrer Unterstützung. Hierzu erhalten Sie anschließend kurzfristig umfassende
Informationen. Versprochen!

Wir freuen uns auf die Zukunft mit Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Vorstand der hnGeno eG

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